Dienstleistungszentrum am Flughafen Lahr
Auftraggeber: Dr. Martin Herrenknecht Verwaltungs GmbH, Schwanau
Standort: Lahr/Schwarzwald
Jahr der Fertigstellung: 2009
Beschreibung der Baumaßnahme:
1. Lage
Das Bürogebäude ist am Flughafen Lahr positioniert gegenüber der Tankstelle Günther und bildet somit das Entree zum Gewerbegebiet des Flughafens. Die Zufahrt erfolgt über die Einsteinallee. Das Gebäude präsentiert sich gegenüber dem Zubringer der Dr.-Georg-Scheffler-Straße.
2. Architektur
Das dreistöckige Bürogebäude ist als weißer Kubus konzipiert, mit einer Seitenlänge von 24,00 m mal 24,00 m und einer Traufhöhe von 11,00 m. Sowohl gegenüber dem Zubringer wie auch gegenüber der Einfahrt öffnet sich das Gebäude durch eine durchgängige Glasfassade mit einer Breite von ca. 6,50 m.
Auf der Südseite bildet die Glasfront den Eingang zum Reisebüro und lädt die Besucher durch die Transparenz in das Gebäude ein. Diese Offenheit wird unterstützt durch die zweistöckige Halle, in der unter anderem großzügige Pflanzen ein Urlaubsgefühl vermitteln.
Die Glasfront der Ostseite empfängt den Besucher gegenüber der Hauptzufahrt. Hier ist das Haupttreppenhaus für die Büroeinheiten positioniert, durch welches die verschiedenen Nutzeinheiten angedient werden. Ein transparenter Glasaufzug unterstützt den leichten und freundlichen Charakter des Eingangsfoyers, der maximal mit natürlichem Licht durchflutet wird. Im Treppenkern sind auch die zentralen sanitären Anlagen angeordnet, die für alle Nutzer zur Verfügung stehen.
Durch die zentrale Anordnung wird ermöglicht, dass alle Büroräume natürlich belichtet und belüftet werden. Eine zentrale Lüftungsanlage ist somit nicht erforderlich. Die Fenster im Erdgeschoß sind zusätzlich bodentief augebildet und ermöglichen somit einen direkten Außenbezug.
3. Konstruktion
Generell sind alle Außenwände als Tragwände ausgebildet. Als zusätzliches aussteifendes Element dient der Sanitär- und Treppenhaustrakt. Die Decken werden mittels Variax-Betonhohlplatten hergestellt, womit eine Spannweite bis 8,50 m erreicht werden kann. Dies ermöglicht bei den Büroeinheiten eine maximale Flexibilität. Auch spätere Änderungen sind ohne statische Eingriffe möglich und es kann jederzeit auf die individuellen Wünsche der Mieter eingegangen werden.
4. Energetisches Konzept
Im Hinblick auf die Ökologie und insbesondere die Vermeidung von CO²-Ausstoß bzw. auch hinsichtlich der immer geringer werdenden Energieressourcen wurde das Gebäude von Anfang an energetisch optimiert. Die Beheizung wie auch die Kühlung erfolgt über Erdwärme.
Die Geothermie ist die im oberen (zugänglichen) Teil der Erdkruste gespeicherte Wärme. Sie kann direkt über Wärmepumpenheizungen genutzt werden zum Heizen und Kühlen. Als regenerative Energie erfüllt Geothermie auch das Kriterium der Nachhaltigkeit, da ihr Potential sehr groß und nahezu unerschöpflich ist. Theoretisch würde allein die in den oberen 3 Kilometern der Erdkruste gespeicherte Energie ausreichen, um die Welt für etwa 100.000 Jahre mit Energie zu versorgen. Die Primärenergie ist kostenlos, das heißt die Wirtschaftlichkeit der Anlage wird vor allem durch Investitions- und Unterhaltskosten der Anlage bestimmt. Wegen der geringen Wärmestromdichte wird bei der Geothermienutzung vorwiegend nicht die aus dem Erdinnern nachströmende Energie, sondern die in der Erdkruste gespeicherte Energie genutzt. Bei der oberflächennahen Geothermie werden mittels Erdsonden die Wärme an die Oberfläche gefördert. Erdwärme steht unabhängig vom Wetter und das ganze Jahr hinüber zur Verfügung.
Für das Bürogebäude werden ca. 15 Erdwärmesonden mit einer Länge von je 100 m eingesetzt. Im Winter wird dem Erdreich Energie entzogen und über Wärmepumpen in das Heizsystem eingespeist. Während der Kühlsaison wird das ausgekühlte Erdreich zuerst zur direkten Kühlung ohne den Betrieb der Kältemaschine genutzt. Das Gebäude wird nur mittels Pumpenenergie gekühlt (Natürliche Kühlung). Die Abwärme wird in das Erdreich eingespeist, welche sich hierbei erwärmt. Wenn die Temperaturen im Erdreich so weit gestiegen sind, dass eine direkte Kühlung nicht mehr möglich ist, so wird auf Kältemaschinenbetrieb geschaltet. Das Erdreich wird immer weiter aufgeheizt und das erwärmte Erdreich kann dann während der Heizsaison wieder zur Heizung genutzt werden.
Durch diesen wechselnden Betrieb von Heizen und Kühlen und die direkte Nutzung des entwärmten Erdreichs zur Kühlung lassen sich sehr hohe Leistungszahlen der Wärmepumpe realisieren. Der hohe Grundwasserstand und dessen hohe Fliessgeschwindigkeit sind ein weiterer Vorteil. Hierdurch erfolgt ein hoher Energiefluss.
Um zusätzlich die Transmissionsenergieverluste zu minimieren, wird das gesamte Gebäude mit einer Wärmedämmung in einer Stärke von 18 cm eingepackt. Zusätzlich wird als Verglasung eine Holz-Aluminium-Konstruktion gewählt. Der natürliche Baustoff Holz besitzt einen sehr guten Wärmedämmwert, die Aluminiumdeckschalen erzeugen einen geringen Wartungsaufwand. Zur Vermeidung von Wärmebrücken wird unterhalb der tragenden Bodenplatte eine Perimeterdämmung mit einer Stärke von 12 cm verlegt, als oberer Abschluß im Dachbereich ebenfalls eine Dämmung in einer Stärke von 14 cm. Somit ist das Gebäude komplett mit Wärmedämmung eingepackt.
Auf dem Dachbereich sollen Photovoltaikelemente gegen Süden ausgerichtet werden, die das ökologische und energetische Konzept komplettieren. Die gewonnene Elektrizität wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Zur Vermeidung der Belastung der Kläranlage wird das Oberflächenwasser des Daches direkt in den Vorfluter eingeleitet. Das übrige Wasser wird zentral gesammelt und über Kanäle in eine zentrale Versickerung mit Vorreinigungsstufe geführt.
5. Nutzung
Das Erdgeschoß wird vornehmlich als Reisebüro genutzt und vermittelt sowohl Pauschalreisen für Privatpersonen wie auch speziell für Geschäftsleute zugeschnittene Buisnessangebote. Dem Reisebüro angeschlossen ist eine Sixt-Autovermietung, welche das Angebot für das Reisebüro komplimentiert.
im ersten Obergeschoß ist eine Architektur- und Ingenieurbüro positioniert. Weitere Büroräumlichkeiten können noch im zweiten Obergeschoß angemietet werden. Parkplätze sthen in ausreichender Form zur Verfügung.
Bauvolumen:
Nutzfläche: 1.513,82 m²
umbauter Raum: 6.344,32 m³
Entwurf: A. Woermann, Dipl.-Ing., Architekt
Projektleitung: A. Woermann, Dipl.-Ing., Architekt








