Farm-Plan wird gecheckt

BADISCHE ZEITUNG 14. Dezember 2011 (Artikel unter: www.badische-zeitung.de)
Die Gemeinde Meißenheim reicht den aufgestellten Bebauungsplan für die Europa-Farm zum ersten Mal weiter an Behörden und Bürger. Das hat der Gemeinderat am Montag entschieden. Beide können nun in der so genannten kleinen Offenlage prüfen, welche Auswirkungen die Farm auf die Umwelt und sie persönlich hat und Stellung nehmen. Diese werden eingearbeitet, bevor er in die große vierwöchige Offenlage geht.
Der Plan mit dem sperrigen Namen "Sondergebiet Tourismus und Landwirtschaft Europa-Farm", zeigt, wie sich die Macher der Europa-Farm und das Freiburger Planungsbüro Fischer die Sache vorstellen. Der Gemeinderat selbst hatte vor seinem einstimmigen Beschluss wenig Einwände, bis auf unter anderem Stefan Zimmermann (FW). Ihn erstaunte die Firsthöhe der Gebäude. Hans Spengler (Pro M+K), der krittelte, dass man über den Kreisel an der B 36, der die Bundesstraße mit der Farm verbinden soll, im Gemeinderat nicht diskutiert habe – auch wenn die Planer und das Regierungspräsidium darüber befunden haben, dass der Kreisel sinnvoll sei. Die kleine Offenlage des Plans (im Rathaus Meißenheim einzusehen) geht mindestens zwei Wochen. Hier einige herausragende Punkte des Plans.
Die Nutzung: Das Sondergebiet schaffe eine landwirtschaftliche Erlebniswelt mit Direktvermarktung und Einzelhandel bis 1270 Quadratmeter, samt Übernachtungsbetrieben, Tierställen, Informationseinrichtungen, Parkplätzen.
Das Maß: Höchste Wandhöhe sind 15 Meter beim Hotel, höchste Firsthöhe 19,5 Meter (Festhalle).
Bäume und Sträucher: Entlang von Straßen und Wegen und an den Rändern der Farm sollen Bäume und Sträucher gepflanzt werden. Auf der Artenliste für gebietsheimische Gehölze stehen Hängebirke, Rotbuche, Esche, Silber-Pappel, Stiel-Eiche, Feld-Ulme, Feld-Ahorn, Hainbuche oder Korb-Weide, Apfelsorten wie Bitterfelder, Brettacher, Hauxapfel, Jakob Fischer, Boskoop oder Neunerschläferapfel, Kirschsorten wie Hedelfinger, Meckenheimer oder Dollenseppler, Birnensorten wie Pastorenbirne, Gelbmöstler, Grüne Jagdbirne und die Bühler Frühzwetschge. Übrigens: Ein großer Walnussbaum am Dreschschopfweg liegt Planer Holger Fischer sehr am Herzen. Er will ihn unbedingt erhalten. Um ihn zu schützen, wurde das Baufenster etwas verschoben, in den Plan soll die Auflage hineingeschrieben werden, dass der Baum im Fall des Falls ersetzt werden müsse, mit einem Baum von 50 Zentimeter Umfang, wie Fischer der BZ sagte.
Naturschutz: Planer Fischer stellte die sensiblen Bereiche vor, die nach Ausgleich verlangen: Pflanzen und Tiere, Boden und Artenschutz. Mit Eugen Göppert, Europa-Farm-Manager für den Bereich Landwirtschaft, hat er sich über möglichen Ausgleich für wegfallenden Naturlebensraum ausgetauscht. Fischer ist zuversichtlich, dass man das defizitäre "Bodenkonto" mit einem Überschuss aus dem "Pflanzen-und-Tier-Konto" ausgleichen kann, dank vielfältiger Baumpflanzungen entlang landwirtschaftlicher Flächen und Steinriegel, die heimatlos gewordene Tiere und Pflanzen nutzen könnten. Man geht derzeit davon aus, dass die Vogelart Neuntöter und die Zauneidechse in diesem Gebiet heimisch sind. Die Naturschutzbehörde wird die Ausgleichsaktionen in einem Vertrag festschreiben.
Werbeanlagen: Die Werbeanlagen sollten ortstypisch sein, nicht strahlen und blinken. Leuchtschrift soll aber zulässig sein. Unter anderem an Fassaden, auf Dächern und im Kreisverkehr ist Werbung vorgesehen.
