Sanierung Ottenheimer Pfarrhaus

MITTELBADISCHE PRESSE 21.02.2011
Nach vielen Jahren brachliegenden Potentials wird das alte katholische Pfarrhaus in Ottenheim durch die Bauherrengemeinschaft Schlager saniert und für rund eine Million Euro, unter anderem aus Mitteln des Landessanierungsprogramms, aufgewertet.
Schwanau-Ottenheim. Lange Jahre stand das 1749 erbaute ehemalige katholische Pfarrhaus in der Ottenheimer Ortsmitte (Kirchstraße 24) nahezu leer und wurde von nicht wenigen Dorfbewohnern offen als "Schandfleck" tituliert. Nachdem zuletzt viele Gerüchte bezüglich der weiteren Nutzung des Gebäudes im größten Schwanauer Ortsteil die Runde machen, unter anderem auch von Abriss die Rede war (was ausschied, weil das Gebäude denkmalgeschützt ist), hat die Kommunalverwaltung dem Dorftratsch jetzt einen entscheidenden Riegel vorgeschoben.
Fakt ist: das alte zweigeschossige Pfarrhaus, im Barockstil errichtet, wird für mehr als eine Million Euro grundlegend saniert und zum Wohngebäude aufgewertet. Das gaben Bürgermeister Wolfgang Brucker, Ottenheims Ortsvorsteher Erik Weide und die neuen Gebäudeeigentümer, die Nonnenweierer Bauherrengemeinschaft Heinz, Martha und Achim Schlager am Freitag vor der Presse bekannt.
Das Sanierungsprojekt kann dank des Engagements der Bauherrengemeinschaft und der Aufwertung zum Wohnhaus mit Mitteln aus dem Landessanierungsprogramm gefördert werden. Bei einem kirchlichen Gebäude wäre dies ansonsten nicht möglich gewesen. Als Zielsetzung und "spannendes Moment" des Projekts hob Achim Schlager die Verbindung zweier Gesichtspunkte hervor: Erhalt der historischen Bausubstanz und deren Verquickung mit modernen Wohnelementen. Stilprägend seien Fachwerk, Steinsockel, die komplett verputzte Fassade sowie die regelmäßig angeordneten barocken Sprossenfenster mit Klappläden, ebenso das historische Treppenhaus.
"Notkirche" abgerissen
Abgebrochen wird in einem ersten Bauabschnitt, der rund 14 Tage in Anspruch nehmen wird, die nach dem Zweiten Weltkrieg angebaute "Notkirche", die nicht als Kulturdenkmal geschützt ist. Die im Nordbereich neu entstehenden Wohnungen werden ein eigenes Treppenhaus erhalten, die Stahl-/Gas-Elemente als Anbau ein modernes Element ausmachen und sich vom historischen Charakter des Gebäudes abheben. Die sieben Wohneinheiten sollen in ihrer Größe variieren zwischen 50 und 80 Quadratmetern (insgesamt 460 Quadratmeter Wohnfläche), vom Zwei-Zimmer-Appartment bis hin zur Drei-Zimmer-Maisonette-Wohnung gehobeneren Standards reicht das Angebot. Die zwei Wohnungen im Erdgeschoss können seniorengerecht und barrierefrei ausgebaut werden. Allerdings sei, wie Heinz Schlager erklärte, auch eine alternative gewerbliche Nutzung durch Freiberufler (zum Beispiel Rechtsanwälte, Versicherungen) denkbar. Beheizt wird das Gebäude, eingedenk des Einsatzes regernerativer Energien, vollständig über eine Holz-Pellet-Zentralheizung. Entstehen werden auf dem Areal rund um das Gebäude insgesamt elf Stellplätze, die bisherige Zufahrt wird ausgebaut und dient gleichzeitig der Erschließung der Stellplätze. Orstvorsteher Weide bezeichnete das Projekt als "wertvollen Beitrag in den aktuellen Bemühungen zur Sanierung der Ottenheimer Ortsmitte". Bürgermeister Brucker sieht ein Dauerthema zufriedenstellend gelöst, das ihn seit seinem Amtsantritt 1999 beschäftigt hat.
Drei Jahre nahmen die Gespräche der Schlagers mit der Kirchengemeinde in Anspruch. "Es war einiges an Meinungsaustausch und Vorarbeit zu leisten, aber wir haben uns stets fair unterhalten und freuen uns jetzt auf das entstehende Ergebnis", so Heinz Schlager. Der Baubeginn ist für Mai/Juni vergesehen. Bis Ostern 2012 soll die Maßnahme abgeschlossen sein.
BADISCHE ZEITUNG 18.02.2011 (Artikel unter: www.badische-zeitung.de)
SCHWANAU-OTTENHEIM. Das in der Ottenheimer Dorfmitte liegende ehemalige katholische Pfarrhaus steht bereits seit einigen Jahren leer, ist dadurch in einen überaus schlechten Zustand geraten und droht zu verfallen. Die Bauherrengemeinschaft Martha, Achim und Heinz Schlager aus Nonnenweier hat das Gebäude nun gekauft und will es sanieren.
Durch den Leerstand sind die Räume des Pfarrhauses verwahrlost und die Bausubstanz des barocken zweigeschossigen Wohnhauses aus dem Jahr 1749 zeigt schwerwiegende Mängel. Auch sind zahlreiche bauhistorisch wertvolle Details am Gebäude akut gefährdet. Zusammen mit der ehemaligen Simultankirche, der heutigen evangelischen Michaelskirche, dem Rathaus Ottenheim, dem Rathaus Schwanau und dem ehemals am Ottenheimer Rheinhafen stehenden ehemaligen Lagergebäude bildet dieses Gebäude jedoch ein ortsprägendes Ensemble. Das Baudenkmal ist, wenn man von der nach 1945 angebauten ehemaligen katholischen Notkirche einmal absieht, ein noch unverändert erhalten gebliebenes Gebäude.
Umso erfreulicher ist es, dass die Bauherrengemeinschaft Martha, Achim und Heinz Schlager aus Nonnenweier das Gebäude nach langwierigen Verhandlungen von der Ottenheimer katholischen Pfarrgemeinde erwerben konnte. Wie Heinz Schlager auf Nachfrage der Badischen Zeitung erklärte, ist man derzeit dabei, gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt, der Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Freiburg und der Stuttgarter Stadtentwicklung GmbH (STEG) die Überplanung des Gebäudes vorzunehmen. Denn es ist eine behutsame und denkmalgerechte Sanierung des bemerkenswerten aus der Barockzeit stammenden historischen Gebäudes mit Fördermitteln aus dem Landessanierungsprogrammes geplant. Im Unterschied zur Nutzung beim Wirtschaften und Leben des 18. Jahrhunderts ist heute nur eine Lösung zu realisieren die zwar besonderen Bezug auf den historischen Bestand nimmt dabei jedoch die Vorteile modernen Wohnens ermöglicht.
Darüber ist der ehrenamtliche Denkmalpfleger Gerhard Albrecht (Wittenweier) sehr erfreut, zumal das herrschaftliche Gebäude mit seinem sakralen Ursprung als Pfarrhaus, den barock ausgeprägten Fenstergewändern und dem architektonisch anschaulichem alten Eingangsportal ortsbildprägend ist. Das Haus wurde 1749 als Ständerfachwerkbau mit massivem Erdgeschoss erbaut. Das Fachwerk im Obergeschoss wurde nicht in Zierfachwerk ausgebaut, sondern das gesamte Gebäude wurde verputzt, um die barocke Pracht hervorzuheben. Damit und mit den massiven Sandsteinfensterwerken sollte der herrschaftliche Charakter dokumentiert werden. Für Gerhard Albrecht spiegelt die Ansicht ganz deutlich den seinerzeitig praktizierten klassischen Straßburger Baustil wieder, der in der Barockzeit in vielen Dörfern übernommen wurde.
Aber ganz im Gegensatz zur ausdrucksstarken Fassade ist der Innenraum als ein einfacher, schlichter Baustil ganz ohne barocke Stilelemente ausgeführt. Im Erdgeschoss war eine großzügige Pfarrhausverwaltung integriert. Als Besonderheit gilt die im Innern des Hauses in das Obergeschoss führende, ganz dem Zeitgeist entsprechende und in ihrer Originalität sehr gut erhaltene repräsentative barocke Holztreppe. Im Obergeschoss war die generöse Pfarrerswohnung untergebracht. Die Größe des barocken Pfarrhauses hat ihre Ursache darin, dass hier in der Mitte des 18. Jahrhunderts neben dem Pfarrer zum Teil auch mehrere Kapläne und Kapuziner untergebracht waren.
Wie Heinz Schlager gegenüber der Badischen Zeitung weiter ausführte, ist geplant, insgesamt sieben Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen zwischen 50 und 80 Quadratmeter Wohnfläche im Gebäude zu integrieren. Wobei das Erdgeschoss barrierefrei ausgebaut werden soll. Die angebaute "alte Kirche", die nach 1945 als Notkirche angebaut wurde, soll abgetragen werden. Hinzu kommen elf Stellplätze, wobei die Zufahrt gemeinsam mit der katholischen Pfarrgemeinde genutzt werden soll.
