Ortsmitte Ottenheim

BADISCHE ZEITUNG 12. Oktober 2011 (Artikel unter: www.badische-zeitung.de)
Ottenheim bekommt eine neue Ortsmitte, in der zwei auseinanderliegende Plätze optisch miteinander verbunden werden. Am Montag wurde der Entwurf von zwei Freiburger Architekten den Gemeinde- und Ortschaftsräten erläutert. Eine Jury hatte ihn aus fünf Vorschlägen einstimmig als besten gekürt.
Sechs Stunden hatte die Sitzung der achtköpfigen Jury am Freitag gedauert, dann stand der Siegerentwurf fest. Die Architekten Wolfgang Borgards ("K 9 Architekten") und Martin Schedlbauer ("faktor gruen") aus Freiburg hatten mit ihrem Entwurf "Zwei Plätze – eine Mitte" das Rennen in dem anonymisierten Wettbewerb gemacht. Neben Karlsruher und Offenburger Architekten hatten auch Mario Kappis, Lahr/Georg Heer, Rheinfelden und das Büro Schlager und Partner aus Schwanau eingereicht. Das Verfahren lief über eine Mehrfachbeauftragung: Fünf Architekturbüros wurden von der Gemeinde aufgefordert, alle fünf haben mitgemacht.
Stimmrecht in der Jury hatten drei Architekten aus Karlsruhe und Stuttgart, Bürgermeister Wolfgang Brucker, Ortsvorsteher Erik Weide und die Ortschaftsräte Patrick Fertig, Kuno Hamm und Fred Maurer. Die Jury, erklärte deren Mitglied Elmar Gross, habe sich nach einer harmonischen Sitzung für den Siegerentwurf entschieden, weil dieser besonders schön aus zwei Plätzen eine neue Mitte schaffe.
Auf dem ehemaligen Bauhofareal zeige sich der Anbau (Veranstaltungssaal) am gemeindeeigenen Anwesen Jägerstraße 3 selbstbewusst und funktional, er ordne den Platz, aber füge sich dennoch harmonisch ein, so Gross weiter. Der Anbau mache aus einem Platz, der bislang auf den Namen "Goldwäscherplatz" getauft wurde, zwei: "Durch den Anbau entstehen zwei gut proportionierte Platzbereiche mit unterschiedlicher Raumwirkung und Nutzungsmöglichkeiten", steht in der schriftlichen Bewertung der Arbeit.
Architekt Martin Schedlbauer, einer der beiden Väter des Siegerentwurfs, sprach von "einer nicht ganz leichten Aufgabe", die langgezogene Dorfmitte vom alten Rathaus Richtung Jägerstraße hin zu entwickeln. Der Entwurf soll die beiden Plätze miteinander kommunizieren lassen. Man solle in Zukunft nicht einfach so durch Ottenheim durchrauschen, sondern ein Gefühl einer Mitte haben. Das Wasser hier und dort, ergänzte Architektenkollege Wolfgang Borgards, sei so ein verbindendes, kommunikatives Element zwischen beiden Plätzen.
Das Anwesen Jägerstraße 3 soll renoviert, aber weitgehend erhalten bleiben, für die Struktur des Bauhofareals verwendeten die Architekten Bilder: Wie bei einem hiesigen landwirtschaftlichen Anwesen hat das Areal vorne einen befestigten Hof, der Anbau steht L-förmig wie eine Scheune am Altbau und dahinter ist ein Rückzugsort wie eine "gute Stube."
Die anderen vier Entwürfe wurden ebenfalls ausdrücklich gelobt und vorgestellt. Gescheitert war einer daran, dass der Jury der Anbau an das Anwesen Jägerstraße 3 als Flachdachbau als nicht kräftig genug war, um den Raum schön abzuschließen, das Bauhofareal wurde als zu kleinteilig empfunden. Das Büro Schlager und Partner hatte sich in seiner Arbeit sehr detailliert mit dem Altbau Jägerstraße 3 beschäftigt. Das wurde sehr gewürdigt. Die Jury entschied sich aber dagegen, weil der komplette Umbau des Hauses als sehr kostspielig eingestuft wurde. Mario Kappis’ Entwurf (Lahr) wurde als zu großzügig beim Rathausplatz, außerdem wurde der Anbau an das Anwesen Jägerstraße 3 als nicht markant genug bewertet. Beim vierten Entwurf wurde kritisiert, dass das Bauhofareal einen zu starken Spielflächencharakter bekomme.
Als Honorar für den Siegerentwurf sind von der Gemeinde 5000 Euro ausgelobt worden, ein realisierter Entwurf der Freiburger Architekten kann in Lahr-Dinglingen betrachtet werden: Das Gemeindehaus der Lutherkirche in Lahr-Dinglingen stammt aus ihrer Feder.
Im kommenden Jahr beginne die Planungsphase für das Großprojekt, sagte ein sichtlich zufriedener Bürgermeister Brucker nach der Vorstellung im Sitzungssaal des Rathauses Ottenheim. Der Gemeinderat muss sich über das Geld, das sie investieren kann und die Vorgehensweise einig werden.
Bei der Finanzierung hilft das Landessanierungsprogramm, in das Ottenheim aufgenommen wurde. Es gewährt 60 Prozent Zuschüsse für energetische und ortsbildprägende Sanierungen. Das Programm gilt für private wie für öffentliche Anwesen.
